Wunderding-Letter

No. 3

Von Alexander Schlichter und Sarah Houben

Alexander Schlichter

24. Januar 2017

Am Anfang möchten wir euch diese Woche eine Podiums-Diskussion auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zum Thema Artificial Intelligence vorschlagen. Mit dabei: Joichi Ito, Direktor MIT Media Lab, Satya Nadella, CEO Microsoft, Gini Rometty, CEO IBM und Ron Gutman, Gründer von HealthTap. Dieses Startup will mit Dr. A.I. u.a. eine Gesundheitsberatung mithilfe AI anbieten. Am besten den Film erst bei 7min35sec starten, da ist der Moderator mit der sehr langen Vorrede zuende.

Die weiteren Empfehlungen für diese Woche geordnet nach Themengebieten:

AI & Computer Science

Eines Tages wird AI-Software nicht nur viele Tätigkeiten wie Übersetzen oder Autofahren besser als Menschen erledigen können, sie werden auch die besseren Programmierer sein und damit einen Teil der Menschen ersetzen, die sie einst erschaffen haben. Das haben Wissenschaftler des Google Brain Teams gezeigt, als sie ein Programm entwickelt haben, das die Architektur von neuronalen Netzwerken programmiert, eine Aufgabe, die die AI-Forscher bis jetzt mühselig selbst machen mussten.
Paper: Neural Architecture search with reinforcement learning / arXiv

Erde & Klima

Ein NASA-Satellit misst seit einem Jahr, wie feucht es in den obersten Schichten des Bodens ist – und das alle zwei bis drei Tage überall auf der Erde. Und das hat unerwartete Ergebnisse gebracht, die wichtig sind für unser Verständnis des Klimawandels: Der Boden hat ein “Gedächtnis” und es gibt bedeutende Rückkoppelungseffekte im Boden bei Dürre oder Flut.
Interview mit dem wissenschaftlichen Leiter Dara Entekhabi, MIT Professor of civil and environmental engineering.
Paper: The global distribution and dynamics of surface soil moisture / Nature

Ein flammender Appel des Umweltaktivisten und Journalisten Bill McKibben für den Klimaschutz. Er verknüpft in seinem Artikel die wissenschaftlichen Arbeiten, angefangen bei Joseph Fourier´s Forschung Anfang des 19. Jahrhunderts, mit den politischen Entwicklungen, die so etwas wie den Klimavertrag von Paris erst möglich gemacht haben.

Genetik & Biotech

Das ist die Geschichte von Brian Hanley, einem Wissenschaftler, der sich selbst einer DIY-Gentherapie unterzogen hat, nachdem kein Investor etwas von seiner Idee einer Gentherapie für AIDS-Kranke wissen wollte. Was zuerst wie die Tat eines Verrückten klingt, hat inzwischen auch bei bedeutenden Forschern wie dem Harvard Forscher George Church großes Interesse ausgelöst.

Diese Geschichte hat mich beim Lesen sofort an eine Wired-Story “The Neurologist Who Hacked His Brain—And Almost Lost His Mind” von Januar 2016 erinnert, in dem die Geschichte von Hence Kennedy erzählt wird, der sich Elektroden in sein eigenes Gehirn einpfanzen ließ und dabei beinahe seine Persönlichkeit zerstörte.

Für alle, die sich für einen Paradigmen-Wechsel in unserem Schulbiologie-Wissen über Proteine interessieren, kann ich diesen Artikel zu sogenannten IDP’s (Intrinsically Disordered Proteins) empfehlen. Diese Proteine brechen mit der Vorstellung, dass Proteine ihre Aufgabe in der Zelle durch eine bestimmte, feste 3-dimensionale Struktur erfüllen. Nicht einfach zu lesen aber hoch spannend.

Medizin

Müssen wir in Zukunft ganz woanders nach den Ursachen für Alzheimer suchen? Diese spannende Frage hat Robert Moir aufgeworfen. Er ist Wissenschaftler am Massachusetts General Hospital und hat die “Pathogene Hypthese” aufgestellt, nach der mikrobielle Infektionen Alzheimer auslösen und nicht die bisher dominierende Hypothese der “Amyloid Cascade”.
Der Artikel erzählt sehr elegant Robert Moir’s Geschichte und die Widerstände der etablierten Forschungs-Community. An dieser Geschichte kann man viel lernen über den Wissenschaftsbetrieb, wissenschaftliche Hypothesen und Querdenker, die einen neuen Blick wagen.
Das gleiche Thema hat auch ein Kurzfilm mit und über den an Alzheimer erkrankten Journalisten Greg O’Brien, veröffentlicht im Nautilus Magazine in der Rubrik “Think – Like a scientist”. Der 6min40 lange Film ist inhaltlich und filmisch sehr gut gemacht und lässt neben Greg O’Brien den Wissenschaftler Rudy Tanzi zu Wort kommen. Und da schließt sich der Kreis zum oben genannten Alzheimer-Artikel, denn Tanzi ist ein Kollege von Robert Moir aus Harvard (auch im Aeon-Artikel wird er zitiert).

Tech

An dieser Stelle ein Hinweis auf einen Wunderding-Artikel, den wir in dieser Woche veröffentlicht haben. Unsere Analyse des Crunchbase “Innovation Investments Report 2016” wird die Frage beantworten, ob Deutschlands Wissenschaft-Startups global nur in der 3. Liga spielen und welche Rolle die Startup-Boomtown Berlin spielt.

Und wer nach der Lektüre unserer Wunderding-Analyse wissen will, was in China anders läuft, der sollte unbedingt den FastCompany-Artikel “Life inside a Shenzhen hardware accelerator” lesen.