Wunderding-Letter

No. 2

Von Alexander Schlichter und Sarah Houben

Alexander Schlichter

17. Januar 2017

Willkommen im Jahr 2017 mit der zweiten Ausgabe des Wunderding-Letters. Wir wollen euch die besten Geschichten aus Wissenschaft und Technik vorstellen.

Dafür kuratieren wir folgende Quellen für euch:

  • die führenden internationalen Tech- und Wissenschaftspublikationen (u.a. Wired, NewScientist, The Verge, NYT, Nautilus, ScientificAmerican)
  • die Magazine und Newsrooms der führenden Umiversitäten (u.a. MIT, Caltech, Stanford, UCLA, Harvard University, University of Oxford, ETH Zürich)
  • Organisationen und Institutionen, die sich mit Wissenschaft und Technik beschäftigen

Die meisten Artikel, die wir hier für euch vorstellen, sind lange Geschichten, die ein Thema aus mehreren Blickwinkeln und umfassend betrachten. So zum Beispiel Gideon Lewis-Kraus’ Artikel in der NYT zum Google Brain Projekt mit unglaublichen 88.784 Zeichen (kopiert in mein Wordprogramm sind das 30 DIN A4-Seiten).

Zu jedem Artikel gibt es eine kurze Zusammenfassung, dazu Fakten, Gedanken und Personen, die uns im Artikel beeindruckt haben und die Inspirationen sein sollen, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

AI

The Great A.I.Awakening
Publikation: New York Times
Autor: Gideon Lewis-Kraus

Inhalt:
Der Artikel erzählt die Geschichte des Google Brain Teams, von den Anfängen im Jahr 2011, gestartet als 3-Mann Nebenprojekt, bis hin zu einem bedeutendem Forschungsteam im Google-Imperium, das mit seinem Ansatz des Machine Learnings Google Translation komplett umkrempelte.

Tipp:
Für jeden, der einen Einblick in das weite Feld der AI bekommen möchte, ist dieser Artikel ein sehr gut geschriebener Einstieg, der dazu einen spannenden Einblick in Google und deren Forschungsarbeiten gewährt. Nach der Lektüre des Artikels versteht man, was sich in den letzten Jahren grundlegend in der AI-Forschung gewandelt hat und warum es solange gebraucht hat, bis sich die Idee der Neural Networks durchsetzen konnte.

Aus meiner europäischen Sicht ist es spannend, dass zwei führende Mitglieder des Google Brain Teams und Protagonisten des Artikels eine enge Verbindung zu Deutschland haben.

Mehr lesen zu AI:
1. The Google Brain team — Looking Back on 2016
Publikation: Google Research Blog
Jeff Dean, Google Senior Fellow und Leiter des Google Brain Teams, schreibt in diesem Blog seinen Rückblick auf das Jahr 2016.

2. Concrete Problems in AI Safety
Publikation: Google Brain / Stanford University / UC Berkeley / OpenAI
Paper veröffentlich am 25. Juli 2016

3. Building Jarvis
Publikation: Facebook
Wer schon immer wissen wollte, was Mark Zuckerberg in seiner "Freizeit" macht, der kann hier nachlesen, wie der Facebook-Chef eigenhändig ein "intelligentes" Programm zur Steuerung seines Hauses geschrieben hat.

MEDIA

Like. Flirt. Ghost: A journey into the social media lives of teens
Publikation: Wired
Autorin: Mary H.K. Choi

Inhalt:
Wer jemals seine Kinder gefragt hat, wie und warum sie Soziale Medien benutzen, aber keine Antwort bekommen hat: Hier erhält er sie. Fünf Teenager zwischen 15 und 18 Jahren gewähren in diesem Artikel Einblick in eine Welt, die uns Erwachsenen sonst verschlossen bleibt.

Tipp:
Ein guter Artikel, auch um seine eigenen Gewohnheiten zu überdenken. Ich habe sehr viel darüber gelernt, was verboten und erlaubt ist in den jeweiligen Medien. Zum Beispiel: Auf Instagram auch ältere Posts liken gilt als Stalken.

ASTROPHYSIK / PHILOSOPHIE

Even Physicists Find the Multiverse Faintly Disturbing
Publikation: Nautilus
Autorin: Tasneem Zehra Husain (ist eine Theoretische Physikerin aus Pakistan und Autorin des Buchs "Only the longest threads")

Inhalt:
Die Autorin ist selbst Forscherin auf dem Gebiet der String-Theorie und nähert sich der Frage nach einem Multiversum von einer ganz anderen, unerwarteten Seite: Sie betrachtet das Ganze von einem emotionalen Standpunkt aus und das führt zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Tipp:
Auch für astrophysikalisch nicht besonders vorgebildete Leser eine spannende Reise zu den elementaren Fragen unserer Existenz.

In physics we’re not supposed to talk about how we feel. We are a hard-nosed, quantitative, and empirical science. But even the best of our dispassionate analysis begins only after we have decided which avenue to pursue. Tasneem Zehra Husain

MATERIALWISSENSCHAFTEN

Researchers design one of the strongest, lightest materials known
Publikation: MIT News
Autor: David L. Chandler

Inhalt:
Einem Team am MIT um den Wissenschaftler Markus Buehler ist es gelungen, ein sehr leichtes und gleichzeitig extrem stabiles Material zu erschaffen. Die erschaffene Struktur sieht aus wie ein Schwamm und mit einer Dichte von gerade mal fünf Prozent soll sie laut der Wissenschaftler zehn mal stärker sein als Stahl.

Wie sie das geschafft haben? Es ist ihnen gelungen, die zweidimensionale Struktur des Wundermaterials Graphen in eine dreidimensionale Struktur zu pressen.

Tipp:
Klingt jetzt eigentlich erst einmal nach einer dieser zahlreichen PR-Meldungen, die man in den Newsrooms der Universitäten findet, und ich hätte sie auch überlesen und hier nicht gepostet, wenn ich nicht letztes Jahr mit der Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung in Manchester auf der ESOF (EuroScience Open Forum) gewesen wäre.

2004 haben dort Andre Geim und Kostya Novoselov Graphen entdeckt. 2010 haben sie dafür den Nobelpreis bekommen und eine sehr gut gestaltete Ausstellung im Museum of Science and Industry hat mir zum ersten Mal die Bedeutung des neuen, revolutionären Materials nahe gebracht.

ZUM SCHLUSS

Und eigentlich wollte ich in diesem Letter nicht über Politik und den baldigen Wechsel an der Spitze der USA schreiben, das tun ja schon alle anderen.

Wer aber nochmal in Wehmut zurückblicken möchte, kann dies hier tun.

Barack Obama, Neural Nets, Self-Driving cars, and the Future of the World
Publikation: Wired

Barack Obama spricht mit Scott Dadich (Chef-Redakteur Wired) und Joi Ito (Director MIT Media Lab) über Künstliche Intelligenz, Star Trek und die Risiken und Chancen von Wissenschaft und Technologie.

VORSCHAU

In dieser Woche werden wir noch auf  Wunderding einen Artikel zum Crunchbase Jahresrückblick 2016 veröffentlichen, in dem wir die Zahlen auswerten.

Eins kann ich jetzt schon verraten: Wir sollten uns aus europäischer Perspektive Sorgen machen!