Wunderding-Letter No. 12

Eine Naturschutz-Maschine, RNA-Therapien und denkende Spieler. Von Alexander Schlichter und Sarah Houben

Alexander Schlichter

29. März 2017

RiffReporter ist eine Plattform von freien Journalisten, die zusammen neue Formen des Publizierens ausprobieren. Wir von Wunderding freuen uns, Teil dieses Projekts zu sein und wir bemühen uns, dass es in Zukunft mehr Ausflüge zu allen möglichen Ecken des Riffs geben wird – wir fangen an mit einem kleinen Kommentar von Riff-Mitgründer Christian Schwägerl.

Und hier unsere Artikel der Woche:

AI (Artificial Intelligence, Robotics, Autonomes Fahren etc.)

Wie wäre es, wenn ein DeepLearning System den Schutz der Natur übernimmt und der Mensch nicht mehr bestimmen darf, was und wie unter Schutz gestellt wird, sondern das in Zukunft eine Künstliche Intelligenz regelt? Dieses Gedankenspiel haben drei Autoren mit ihrem "wilderness creator" durchgespielt.
Artificial Intelligence: The Park Rangers of the Anthropocene / The Atlantic / Autor: Ed Yong

Doch macht das wirklich Sinn, wenn Algorithmen Naturschutz betreiben? Beim Lesen des Artikels ist mir gleich der Gedanke gekommen, dass ich unbedingt meinen Kollegen Christian Schwägerl diese Frage stellen muss. Er ist Mitgründer des journalistischen Projekts RiffReporter und Autor der beiden Bücher "Die analoge Revolution" und "The Anthropocene".

Übersehen wird in dem Artikel, wie intensiv High-Tech schon länger im Naturschutz zum Einsatz kommt, in Form von Remote Sensing aus dem Weltall, Umweltsensoren, Peilsendern. Aber soll man solche Ansätze vernetzen, mit Robotern und Drohnen aufrüsten und an eine Künstliche Intelligenz anschließen? Das müsste dann aber eine AI sein, deren Algorithmen von den Menschen der betroffenen Region bestimmt werden können. Denn die Idee, dass eine AI eine übergeordnete oder gar autonome Rolle im Naturschutz übernehmen könnte, ist absurd. In jedes System sind Prämissen programmiert. Wer entscheidet über diese? Und was, wenn die AI errechnet, dass ein Wildnisgebiet überflüssig ist? Ich sehe großes Potential im verstärkten Einsatz von High-tech im Naturschutz, aber nur unter strikter menschlicher Kontrolle, vor allem durch die Menschen vor Ort. Sonst wiederholen sich die Fehler der Kolonialzeit (und teils von heute), die der Historiker Bernhard Gißibl im RiffReporter-Interview beschrieben hat.
Christian Schwägerl

Weitere AI-Artikel:


GEN (CRISPR, Genome-Editing, personalisierte Medizin etc.)

Cameron ist ein Junge, der an spinaler Muskelatropie leidet, einer Form von Muskelschwund, die durch fortschreitenden Verlust der motorischen Nervenzellen verursacht wird. Mit dieser Diagnose hatte er wenig Chancen seinen ersten Geburtstag zu erleben, doch er kann an einer klinischen Studie teilnehmen, in der ein RNA-Medikament erprobt wird. Wie die Geschichte ausgeht, verrate ich an dieser Stelle nicht. Solche Patientengeschichten sind im Wissenschafts- und Medizinjournalismus ein gern genommener und naheliegender Einstieg in ein Thema und als Vater eines Sohns, der genau heute seinen 1. Geburtstag feiert, berührt mich Camerons Geschichte natürlich. Es ist aber vor allen Dingen mein Gen-Artikel der Woche, weil dieser Artikel es aus meiner Sicht hervorragend schafft, Einzelschicksal und Wissenschaftsgeschichte miteinander zu verknüpfen.
How a Boy’s Lazarus-like Revival Points to a New Generation of Drugs / MIT Technology Review / Autorin: Karen Weintraub

Weitere Gen-Artikel:


VR/AR

Das Start-up Neurable will mittels trockener Elektroden das Spielen von VR Spielen durch pures Denken ermöglichen. Indem die Gehirnströme des Spielers mit Elektroenzephalographie (EEG) getrackt und dann von einer Software analysiert werden, soll die gewünschte Handlung dann im Spiel ausgeführt werden. Das Aufspüren bestimmter Signale dank EEG ist heutzutage zwar schon keine Neuheit mehr und wird vor allem im medizinischen Bereich benutzt. Jedoch arbeitet Neurable daran, diese Technologie so zu verfeinern, dass sie die Signale schneller und akkurater erkennt – sodass eines Tages eine einfache spielerische Anwendung möglich wird.
Controlling VR with Your Mind / MIT Technology Review / Autorin: Rachel Metz

Weitere VR/AR-Artikel:


Business

Wissen Sie, was Volumetric Displays sind, Data Broker PaaS, Smart Dust oder Neuromorphic Hardware? Wenn nicht lesen Sie diesen Artikel und schauen in dem Diagramm nach, wann diese Technologien wahrscheinlich auch für Sie relevant werden.
30 Emerging Technologies You Need to Know About

Und nächste Woche kommen dann die schon für diese Woche versprochenen Filme von der CeBIT. Bis bald auf Wunderding.

Sarah und Alexander

Alexander Schlichter ist Biologe, Wissenschaftsjournalist und Gründer des Wunderding-Magazins. Seit mehr als 16 Jahren macht er Filme, Fotos und interaktive Inhalte zu allen Themen, die ihn faszinieren und begeistern..

Sarah Houben ist Biologin und Übersetzerin und wagt sich nun in die Welt des Wissenschaftsjournalismus. Nach einem BSc-Studium der Biowissenschaften hat sie nun ihren MSc in Biologischer Photographie und Film abgeschlossen.