Wunderding-Letter No. 11

Wearable Computing, Gen-Drive-Moskitos und eine Schnittstelle für unser Gehirn. Von Alexander Schlichter und Sarah Houben

Alexander Schlichter

In dieser Woche geben wir Ihnen nicht nur unsere Lese-Empfehlungen für die Artikel der Woche, sondern stellen auch spannende Forschungsprojekte und Startups vor, die wir auf der CeBIT getroffen haben.

Zu Anfang wollen wir Ihnen ein Forschungsprojekt zu Wearable Computing vorstellen. Professor Michael Beigl und sein Team haben für Gleitschirm-Flieger ein Armband entwickelt, das über Vibrationsmuster den Piloten über seine Vertikalgeschwindigkeit informiert. Normalerweise benutzen Gleitschirmflieger ein Variometer dafür, an dem der Pilot die Geschwindigkeit ablesen oder hören kann. In Zukunft könnte das dieses Wearable Device mit dem Tastsinn übernehmen, so dass der Pilot nicht abgelenkt ist. Ich konnte das System am Messestand mit einem 360-Grad Video ausprobieren und auch wenn ich kein Gleitschirmflieger bin, fand ich die Demonstration beeindruckend. Beim Sinkflug spürte ich auf der Unterseite des Armbands ein leichtes Kribbeln und beim Steigflug auf der Oberseite.

Im Interview erklärt mir Professor Beigl die Technik und weitere Einsatzfelder.

In den nächsten Tagen werden wir hier auf Wunderding weitere spannende Forschungsprojekte und Startups vorstellen.

Und hier unsere Lese-Empfehlungen der Woche:

AI (Artificial Intelligence, Robotics, Autonomes Fahren etc.)

Wie ein Gründer, der mit seinem Online-Bezahl-Startup reich geworden ist, für sich „Neurotechnologie“ als den Markt der Zukunft entdeckt und 100 Millionen in ein neues Unternehmen investiert, um eine Gehirn-Schnittstelle zu entwickeln. Das ist die Geschichte des Bryan Johnson, der mit seinem neu gegründeten Startup Kernel in den nächsten 10 bis 15 Jahren aus dem akademischen Feld der Neurowissenschaften einen der großen Zukunftsmärkte entwickeln will. Der Artikel erzählt anschaulich das Spannungsfeld zwischen schwieriger, langfristiger Grundlagenforschung und den hohen Zielen eines technikbegeisterten Gründers. Johnsons erstes Ziel ist eine "generalized human electrophysiology platform", die gleichzeitig die elektrischen Impulse von sehr vielen Neuronen aufnehmen und auch stimulieren soll.
The Entrepreneur with the $100 Million Plan to Link Brains to Computers / MIT Technology Review / Autor: Antonio Regalado

Weitere AI-Artikel:

GEN (CRISPR, Genome-Editing, personalisierte Medizin etc.)

Zum ersten Mal, planen Forscher mit einem "Gen Drive" modifizierte Lebewesen hinaus in die Welt zu lassen. Das Land: Burkina Faso in West Afrika. Das Lebewesen: Malaria-übertragende Moskitos. Das Ziel: das Malariaproblem aufzuhalten.

Dank "Gen Drives" werden bestimmte Merkmale an alle Nachkömmlinge, hier Baby-Moskitos, weitervererbt – anstatt nur an die Hälfte der Nachkömmlinge, wie es natürlicherweise der Fall wäre. Mit diesem Gen Drive hoffen die Forscher, dass sie die Anzahl der geborenen weiblichen Mücken reduzieren können, da nur die Weibchen stechen und somit Malaria übertragen können.

So wird seit sechs Jahren am Bau des Gen Drives in London gearbeitet, während in Burkina Faso daran gearbeitet wird, die Bevölkerung über Gen Drives und deren Bedeutung und potentiellen Wirkungen aufzuklären. Denn schlussendlich muss die Bevölkerung entscheiden, ob sie bereit sind für den nächsten Schritt, die Freilassung der modifizierten Mücken.
Gen Drives could halt malaria in West Africa – if residents agree to it / STATnews / Autor: Ike Swetlitz

Weitere Gen-Artikel:

Business

Warum die Biologie uns Inspirationen für die Zukunft des globalen Wirtschaftens liefern könnte.
Building a Resilient Business Inspired by Biology / Scientific American / Autoren: Martin K. Reeves, senior consultant at the Boston Consulting Group and head of the BCG Henderson Institut / Simon Levin, James S. McDonnell Distinguished University Professor in Ecology and Evolutionary Biology at Princeton University.

Bald mehr von der CeBIT hier auf Wunderding.

Sarah und Alexander

Alexander Schlichter ist Biologe, Wissenschaftsjournalist und Gründer des Wunderding-Magazins. Seit mehr als 16 Jahren macht er Filme, Fotos und interaktive Inhalte zu allen Themen, die ihn faszinieren und begeistern..

Sarah Houben ist Biologin und Übersetzerin und wagt sich nun in die Welt des Wissenschaftsjournalismus. Nach einem BSc-Studium der Biowissenschaften hat sie nun ihren MSc in Biologischer Photographie und Film abgeschlossen.